28.01.2019 – Rentenpolitik
Das Handelsblatt berichtet über die neuesten Zahlen zur "Rente mit 63".
In dem Artikel habe auch ich mich geäußert.
Der Link zum Artikel: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/v...
Mein Statement in voller Länge:
"Die anhaltende Beliebtheit der "Rente mit 63" ist nicht überraschend. Es war klar, dass viele Beschäftigte diese Rentenart für besonders langjährig Versicherte in Anspruch nehmen würden. Frühere Anfragen von Bündnis 90/Die Grünen hatten ergeben, dass zwei Drittel der Antragstellenden auch Abschläge in Kauf genommen hätten - also ohnehin in Rente gegangen wären. Aber immerhin ein Drittel der Antragstellenden hätte auch weiter gearbeitet.
Tatsächlich wirft die "Rente mit 63" mehr Gerechtigkeitsprobleme auf als sie scheinbar löst. Sie ist ungerecht. Denn Menschen, die in strukturschwachen Regionen eher von Arbeitslosigkeit bedroht sind oder Frauen, die seltener durchgehende Erwerbsbiographien aufweisen können, werden erheblich benachteiligt. Mit ihren Beiträgen zahlen sie für Personen, die ohne diese Rentenart weiter gearbeitet hätten. Gleiches gilt für Versicherte, die aufgrund beruflicher Belastungen nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten können und eine Erwerbsminderungsrente in Anspruch nehmen müssen. Sie können von der Regelung ebenso wenig profitieren.
Statt der pauschalen "Rente ab 63" wäre es besser gewesen, gezielt bei denen anzusetzen, die gesundheitliche Beeinträchtigungen aufweisen. Eine abschlagsfreie Teilrente ab 60 für Versicherte in besonders belastenden Berufen könnte zielgenau denjenigen helfen, die bei voller Arbeitsbelastung weder 45 Beitragsjahre schaffen noch die Regelaltersgrenze von demnächst 67 Jahren erreichen. Gefragt sind Ideen, um den Erwerbstätigen ein längeres, gesünderes Arbeiten zu guten Bedingungen zu ermöglichen und kein Ausstiegsprogramm. In der Pflicht stehen aber auch die Unternehmen, von denen zahlreiche nicht bereit sind, ältere Arbeitslose einzustellen. Wer von Seiten der Wirtschaft über die "Rente mit 63" schimpft, darf zur überproportional hohen Arbeitslosenquote Älterer nicht schweigen!"